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Mexiko: Wirtschaft

11.04.2019 - Artikel

Stand: April 2019

Struktur der Volkswirtschaft

Als fortgeschrittenes Schwellenland steht Mexiko an fünfzehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde. Als Exportnation belegt es den zwölften. Platz der Weltrangliste und auch die Nr. zwölf unter den Importländern der Erde. Mexiko ist die Nummer zehn unter den ölexportierenden Staaten der Welt, siebtgrößter Automobilproduzent und viertgrößte Exportnation im Automobilsektor. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) schwerpunktmäßig in den Bereichen Industrie und Tourismus.  

Mexiko ist ein sogenanntes „upper middle income country“. Es ist Mitglied der OECD und stellt seit Juni 2006 deren Generalsekretär Angel Gurría. Mexiko ist eine Industrienation. Es ist Mitglied der G20, deren Präsidentschaft es 2012 ausgeübt hat. Ein System von 13 Freihandelsabkommen mit 46 Ländern (mit insgesamt über 1,55 Mrd. Konsumenten) wurde zuletzt durch die Transpazifikpartnerschaft (CPTPP) ergänzt. Mit CPTPP erweitert sich das Netz von Freihandelsabkommen Mexikos um sechs weitere Länder (Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Malaysia, Brunei).  

Von zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten ist das 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), das einen Modernisierungs- und Industralisierungsschub nach sich gezogen und die wirtschaftliche Liberalisierung Mexikos eingeleitet hat. Der wichtigste Handelspartner Mexikos sind sowohl export- als auch importseitig die USA: 80% der mexikanischen Gesamtausfuhren und knapp 50 % der mexikanischen Importe werden mit den USA abgewickelt. Am 30.09.2018 haben sich Mexiko, Kanada und USA auf einen modernisierten nordamerikanischen Freihandelsvertrag als NAFTA-Nachfolgeabkommen verständigt, das fortan United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) beziehungsweise T-MEC (Tratado Mexico-Estados Unidos-Canada) heißen soll.

Mexiko strebt eine Diversifizierung seiner Außenhandelsstruktur an. U.a. hat es mit Kolumbien, Peru und Chile die Pazifikallianz gegründet. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China sollen vertieft und das hohe Handelsbilanzdefizit perspektivisch abgebaut werden; China ist daran interessiert, in Schlüsselsektoren der mexikanischen Wirtschaft zu investieren. Zudem wird gegenwärtig mit der EU über die Aktualisierung des Handelsteils des EU-Mexiko-Globalabkommens verhandelt, wobei nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Ursprungsregeln, geographische Herkunftsbezeichnungen, öffentliches Beschaffungswesen und der Schutz geistigen Eigentums im Mittelpunkt stehen.

Trotz der Liberalisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten, gab es in Schlüsselsektoren wie der Energiewirtschaft, der Telekommunikation oder dem Bankensektor noch immer Oligopole und Monopole, die den Wettbewerb in Mexiko behinderten und der Wirtschaft hohe Kosten verursachten. Daher hatte die Regierung Peña Nieto zu Beginn ihrer Amtszeit Reformgesetze auf den Weg gebracht, die diese Strukturen aufbrechen und damit die Öffnung der Wirtschaft in zentralen Bereichen voranbringen sollten. Vor allem der Umbau der mexikanischen Energiewirtschaft, sollte erhebliche Wachstumsimpulse für die mexikanische Volkswirtschaft setzen. Die seit Dezember 2018 amtierende Regierung setzt wieder auf eine Stärkung des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PEMEX und auf die energiepolitische Autarkie des Landes. Auch wenn Änderungen an der Reform der Vorgängerregierung geplant seien, werde nicht an eine völlige Abschaffung der Reform gedacht. Eingegangene Verträge mit Privatfirmen sollen respektiert werden.

Außenhandel

Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Kfz und -Teile (24,85%),  Elektronik (16,45), Maschinen (10,1%), Elektrotechnik (9,6%) und Nahrungsmittel (6,3%). 

Armut

2017 veröffentlichte CONEVAL (Consejo Nacional de Evaluación de la Política de Desarrollo Social) eine aktualisierte Armutsschätzung. Das Ergebnis zeigte eine positive Entwicklung nach Veröffentlichung des letzten Armutsberichts im Jahr 2015: Der Anteil der in extremer Armut lebenden Bevölkerung ist seit der letzten Erhebung in 2014 von 9,5 % auf 7,6 % im Jahr 2016 gesunken; die Anzahl der Armen hat insgesamt um 2,6 % abgenommen und betrug im Jahr 2016 43,6 % (2014: 46,2 %). Damit gelten 53,4 Mio. Mexikaner als arm (2014: 55,3 Mio.), von denen 9,4 Mio. Mexikaner in extremer Armut leben (2014: 11,4 Mio.). Auffällig sind weiterhin die regionalen Disparitäten: In den Städten ist der Anteil der in extremer Armut lebenden Bevölkerung mit 4,7 % deutlich geringer als im ländlichen Raum (17,4 %), wo der Zugang zu Grunddienstleistungen selten gewährleistet ist. Darüber hinaus werden die Unterschiede zwischen der indigenen Bevölkerung und der nicht-indigenen Bevölkerung deutlich. 34,8 % der indigenen und lediglich 5,8% der nicht-indigenen Bevölkerung lebte im Jahr 2016 in extremer Armut.  

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.199 Mrd. US-Dollar (rund 22,7 Mrd. MXN Pesos) verzeichnete Mexiko im Jahr 2018 die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (zweitgrößte Bevölkerung, drittgrößtes Territorium der Region), was einem Anstieg des BIP um 2,2% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das BIP pro Kopf betrug 2017 etwa  9.700 US-Dollar.  

Motor des Wirtschaftswachstums ist der Export: Hier stellen die Kfz-Industrie und deren Zulieferer mit 24,8 % den Hauptteil aller Exportgüter. 2018 konnten sie jedoch mit der Herstellung von 3,93 Mio. Fahrzeugen (-0,6 %  gegenüber 2017) nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen. 

Die Devisenreserven belaufen sich auf ca. 165 Mrd. USD.  

Unverändert hoch ist mit noch immer über 55 % der Anteil des informellen Sektors am Arbeitsmarkt. Einerseits fungiert er als Ventil für die Aufnahme von jährlich etwa 1 Million Jugendlichen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, andererseits ist er aber auch strukturell für die niedrige Arbeitsproduktivität verantwortlich, die das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten bremst. Um diese zu steigern, ist nicht zuletzt auch eine bessere Grund- und Berufsausbildung notwendig.  

Wichtig für die Behebung des Fachkräftemangels ist die Einführung dualer Elemente in die mittlere Berufsbildung. Deutschland unterstützt die mexikanische Regierung bei der Einführung einer Dualen Berufsausbildung nach deutschem Modell (MMFD). Bisher nehmen rund 5000 Auszubildende daran teil. 

Zu vermerken sind die Investitionsentscheidungen von Daimler und BMW zugunsten von neuen Werken in Mexiko, Volkswagens Erweiterung des Stammwerkes in Puebla sowie die Eröffnung eines neuen Werkes durch Audi im September 2016. Darüber hinaus befinden sich der Luft- und Raumfahrtsektor, die Pharma- und Medizintechniksparte, die Bergbauindustrie, die Elektroindustrie sowie der Transportsektor im Aufschwung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung beim Export von Agrargütern.

Mit einer vergleichsweise niedrigen Verschuldung des Bundeshaushalts von 53,8% des BIP und einem Haushaltsdefizit von 2,5% (geschätzt für 2019) steht Mexiko im internationalen Vergleich solide da. Sorgen bereiten lediglich die Haushalte der Bundesstaaten: Deren Verschuldung hat sich seit 2006 um 170 % erhöht. Im Februar 2015 hat der Senat die Verfassung geändert, um die Schuldenaufnahme durch die Bundesstaaten und Gemeinden zu reglementieren und ihr Grenzen zu setzen. 

Klima und Umwelt

International nimmt Mexiko bei der Umwelt- und Klimaschutzpolitik eine konstruktive und ambitionierte Haltung ein und hat eine positive Vorreiterrolle unter den Schwellenländern inne. Bei der COP 21 in Paris gehörte Mexiko der Koalition der ambitionierten Länder an. Die Ernennung der bisherigen mexikanischen Botschafterin in Deutschland, Patricia Espinosa, zur Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats kann Mexiko zu Recht auch als Geste der Anerkennung seiner eigenen Klimapolitik bewerten.

National hat sich Mexiko mit einem Klimaschutzgesetz und einer nationalen Klimaschutzstrategie auf langfristige Minderungsziele selbst verpflichtet: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 30 % bis 2020 sowie um 50 % bis 2050 gegenüber 2000. Ein Regierungsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll die gesetzliche Vorgabe umsetzen, den Anteil 'sauberer' Energie (erneuerbare Energie, plus Kernenergie  und effiziente Kraftwärmekopplung) bis 2024 auf 35 % zu erhöhen. Weitere Ziele für saubere Energie sind 2018: 25%, 2021: 30%, 2024: 35%. Im März 2015 hat Mexiko als erstes Schwellenland seinen freiwilligen Minderungsbeitrag (INDC) zur Begrenzung der globalen Erwärmung zur Vorbereitung eines internationalen Klimaschutzabkommens eingereicht; im Dezember 2015 wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet, das den Ausbau der erneuerbaren Energien mit konkreten Ausbauzielen festschreibt. Bisher haben die langfristigen Stromausschreibungen Investitionen in Höhe von 6,6 Mrd. USD gesichert. Die Ölausschreibungen stellen Investitionen von 153 Mrd. USD dar.

Mexiko setzt sich als eines der artenreichsten Länder der Welt ebenso für ambitionierte Ziele zum Erhalt der Biodiversität ein und hat im Dezember 2016 in Cancún die 13. VN-Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausgerichtet. Damit übt es für zwei Jahre den CBD-Vorsitz aus.
Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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